Moskau, Moskau, wirf die Gläser an die Wand…

Dieses Lied fällt wahrscheinlich den meisten Menschen spontan zu Moskau ein. Meine Lieblingstextzeile ist allerdings „und wir tanzen auf dem Tisch, bis der Tisch zusammenbricht“ – einfach, weil es so ein schöner Reim ist. Und weil es sich mit der Vorstellung von Wodka-trinkende-Moskowitern (ja, die heißen echt so) in ein rundes Bild bringen lässt.

Letztes Wochenende war ich mit meiner Mama vier Tage in Moskau, um meine Schwester zu besuchen, die gerade in Vladimir (Betonung bitte auf dem ersten I) studiert. Wir haben es uns allerdings verkniffen, Gläser an die Wand zu werfen, da wir von den vielen Polizisten und Wachen etwas verängstigt waren. Auf dem Tisch getanzt haben wir leider auch nicht, obwohl das bestimmt lustig gewesen wäre, vor allem nach unserem Wodka-Versuch.

Sightseeing-mäßig haben wir natürlich alles abgeklappert, was man so von Bildern aus dem Fernsehen kennt: Roter Platz mit Historischem Museum, Basilius-Kathedrale und Kaufhaus GUM, den Kreml mit seinen vielen Kirchen, die Christ-Erlöser-Kathedrale, den Ismailowski Markt (Matrjoschka-Shopping), die Sperlingsberge, den ‚Theaterplatz mit dem Bolschoi-Theater, den Skulpturenpark, den Gorki Park uvm. Ich bin mir sicher, dass mir jetzt nicht alles einfällt. 😉 Außerdem sind wir am Arbat auf und ab geschlendert und haben die Tretjakow Galerie besucht (sehr zu empfehlen).

Am meisten beeindruckt haben mich die Basilius-Kathedrale und das Bolschoi – weil ich die beiden einfach schon immer sehen wollte. 🙂 Ein weiterer persönlicher Höhepunkt für mich war der Besuch einer Ballett-Aufführung, die wir Dank Liesis toller Russisch-Kenntnisse um einen Spottpreis von nur 25€ zu sehen bekamen. Und was haben wir gesehen? Den Nussknacker! Toll, oder? In der Stadt des Balletts eines der bekanntesten Stücke. Es war wunderschön, die Musik toll, die Gewänder schön, die Tanzkünste und v.a. Pirouetten beeindruckend.

Was habe ich dazu gelernt, was hat mich neben den Sights beeindruckt?

Die Russen – lächeln nicht unter Fremden. Sie sind einfach kein offenes, übersprudelndes, temperamentvolles Volk. Positiv überrascht hat mich die ungeheure Hilfsbereitschaft jedes einzelnen Menschen, den wir im Laufe der Zeit nach dem Weg gefragt haben. Kann aber auch sein, dass das daran lag, dass wir eine Russische Fremdenführerin mit hatten (Danke nochmal – Liesi!).

Kyrillisch – ist gar nicht so schwierig. Ich rede jetzt nicht vom Verstehen, sondern lediglich vom Lesen bzw. Entziffern. Man muss sich halt einfach bildlich merken, welche Linienformation welchen Buchstaben bedeutet. Ich habe es schnell am letzten Tag gelernt, da Liesi schon früher losfahren musste. Ohne Kyrillisch bist du aufgeschmissen. In der U-Bahn steht alles nur in der Russischen Geheimsprache – Stationen, Namen, Ausgänge,…

Die U-Bahn – ist aufgrund der Kyrillischen Bezeichnungen eine kleine Herausforderung. Dazu kommt, dass viele Stationen mehrere Namen tragen – je nachdem, von welcher Linie man ankommt. Dann gibt es Übergänge, wenn man Umsteigen muss. Man muss sich also immer noch einen Stationsnamen mehr merken, und das auf Kyrillisch. Der Lohn für die Herausforderung sind die vielen wunderschönen Ringstraßen-Stationen. Die U-Bahn selbst ist wirklich eine Sehenswürdigkeit, auch die uralten Waggons.

Moskau selbst – ist keine schöne Stadt. Nicht falsch verstehen, das Wochenende war wirklich toll und von den Sights habe ich ja schon geschwärmt. Aber die Stadt an sich hat für mich kein Flair, es gibt kein wirkliches Zentrum, lauter breite Autobahn-artige Straßen, alles weit und breit und groß, aber eben eines nicht: schön.

Wodka trinken – Eigentlich habe ich erwartet, quasi an jeder Ecke einen Russen mit einem Flachmann zu sehen. Oder gleich direkt mit der Flasche. Allerdings habe ich selbst beim Essen immer nur Bier oder Wein auf den Tischen der Nachbar gesehen. Komisch!? Er schmeckt übrigens sehr lecker, der russische Wodka. Wer das Ding mischt, kann nicht ganz klar bei Verstand sein! Aufgrund der sinnbefreiten 1-Liter-Alkohol-Import-Regelung zieren nun leider nur zwei 0,5 Liter Flaschen mein Regal. Man!

Russisches Essen – Hier hat sich mein Vorurteil bestätigt: Russen sind Fleischfresser. Die vegetarische Auswahl ist etwas eingeschränkt, vor allem wenn man mal was „Festes“ essen möchte. 😉 Trotzdem habe ich (fast) immer etwas gefunden. Die Teigtaschen und Brote sind sehr zu empfehlen, nur aufpassen, die sind manchmal auch nicht ganz Vegetarisch (Fliege-im-Brot-Alarm!).

Matrjoschkas – gibt es in allen erdenklichen Ausführungen. Und wenn ich sage alle, dann meine ich alle. Mama hat einen Winnie Puh gekauft, man kann aber auch Putin, Obama, Christiano Ronaldo und andere Gestalten erstehen. Es gibt Matrjoschka-Ohrringe, Weihnachts-ultimativ-Glitzer-Matrjoschkas, Stehaufmännchen-Matrjoschkas und Riesen-Matrjoschkas. Du hast die Wahl, du hast die Qual. Oder so.

Militär-Besessenheit – Gut, nicht jede Gesellschaft kann so besessen darauf sein, nur ja mit der Vergangenheit abzuschließen, wie wir Österreicher. Verlangt ja auch keiner. Aber das, was man in Moskau erlebt, ist nicht die Tendenz oder der Versuch, abzuschließen. Sowjetnostalgie und Lenin sind „in“, für Kinder gibt es Panzerluftballons zu kaufen, an den Souvenirständen lagern Militärkappen mit Orden, Orden selbst, und Flachmänner (ähm, ist die Mehrzahl ok so!?) mit SSSR-Beschriftung, rotem Stern & Co. Ich bin mir sicher, jeder Russe besitzt mindestens ein „I love Lenin“-Tshirt. Let’s be nostalgic.

Und hier geht’s zu den Fotos (Klick das Bild):

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Ein Gedanke zu „Moskau, Moskau, wirf die Gläser an die Wand…“

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